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Auf das richtige Fokussiert ?

Oder warum eine Vielzahl von deutschen Fitness- und Wellnessanlagenbetreibern den Bereich der Betriebswirtschaft nach wie vor unterschätzen.

1000, 2000, 3000 Mitglieder ! Das ist die Sprache der deutschen Fitnesskultur. Das ist der Maßstab, nichts anderes zählt. Brustgeschwellt laufen Sie durch Raum und Zeit und verkünden nicht nur mit einem Hauch der Egomanie ihren persönlichen Erfolg. Zuhörer und Beobachter erstarren vor Ehrfurcht und verharren in Erwartungshaltung auf Informationen und Tipps, wie so etwas nur möglich ist. Göttern gleichgesetzt werden Sie umgarnt von aufschauenden Newcomern und Inhabern, die seit Jahren auf der Stelle treten und vom zunehmenden Wettbewerb mit dunklen Wolken umhüllt werden. Mitglieder, Mitglieder um jeden Preis. Egal was es kostet. 

Es soll an dieser Stelle kein Klassenkampf entfacht werden, nein, wirklich nicht. Szenen und Verhaltensweisen sind menschlich und nachvollziehbar. Mitgliederbestände und deren Zuwächse sind Umsatzträger Nummer 1, keine Frage. Respekt vor all denjenigen Clubbesitzern, die solche Mitgliederzahlen erreichen oder schon erreicht haben. Sie haben sicherlich viel über ihren Erfolgsweg zu berichten. Jedoch birgt dies eine große Gefahr, denn die größte Gefahr für den Erfolg ist der Erfolg. Die Lorbeeren von gestern ist der Kompost von morgen. Vernachlässigung und Oberflächlichkeit sind die Folge. Geld und Rendite, das eigentliche Brot der Unternehmung, wird nur noch in ihrer absoluten Größe und nicht nach weiteren, in ihnen wohnenden Potentialen betrachtet. Warum auch, der Rubel rollt !? Eine Einstellung oder Verhaltensweise, über die man streiten kann. Gestritten wird jedoch dann nicht mehr, wenn entsprechende Kosteneinsparungspotentiale, als auch Umsatzpotentiale durch genaueres Hinsehen in monetärer Größenordnung dargestellt werden. Erst dann wird das Bewusstsein geöffnet und über mögliche Maßnahmen nachgedacht.

Dies ist nur ein Beispiel der Vernachlässigung betriebswirtschaftlicher Instrumentarien und Methoden. Beispielhaft haben wir hier einen erfolgsverwöhnten Studiobetreiber beschrieben, jedoch betrifft das Thema fast jeden Typus des „Homo Fitnessgermanicus“. Egal in welcher Ausgangsposition er sich befindet. Erfolgreiche, als auch „nicht ganz so Erfolgreiche“ und vor allem die permanent Existenzgefährdeten sind davon betroffen. Gleich einem Virus zieht es sich durch dieses, unserem Fitness- und Wellnessland.

Was führt eigentlich zu solchen Verhaltensweisen, welche den betriebswirtschaftlichen Aspekt sprich das Unternehmenscontrolling unterminieren ? Sind es die nicht gewohnten Termini wie Break Even, Balance Scorecard, Basel2 oder gar das Wort Bilanz mit ihren verwirrenden Inhalten und Bilanzpositionen ? Oder noch schärfer: Abzinsung, Aufzinsung, Barwert, Leverage-Effekt, ROI, Deckungsgrade, Kapitalwertmethode oder ganz hart „Lineare Interpolation“ !? Sicherlich ist, vor allem der letzte Begriff übertrieben dargestellt, jedoch scheint es wirklich so zu sein, dass die Unwissenheit der Thematik und der Inhalte dafür sorgt, dass von vornherein eine negative Assoziation und der damit verbunden Ablehnung oder sogar Angst gegenüber diesem Bereich vorhanden ist. Dies ist auch nicht weiter verwunderlich, denn die Kernkompetenz und die ursprüngliche Ausbildung vieler Fitnessunternehmer liegt nicht in diesem Bereich und sollte es auch prinzipiell nicht sein. Verschärft wird diese Haltung zusätzlich durch betriebswirtschaftliche Experten, welche das deutsche und einfache Wortgut gänzlich vermissen lassen und durch einen hohen Level der Unverständlichkeit ihre Kompetenz zum Ausdruck bringen möchten.

Der Ignoranzgrad der Nichtbeachtung von betriebswirtschaftlichen Themen äußert sich auch in Argumenten wie: „Das entspricht nicht meiner Neigung“, „....mir fehlen nur mehr Mitglieder“, Betriebswirtschaft ist ein „trockenes Thema“ oder „mit Zahlen habe ich wenig am Hut“. Irgendwann wird dieses trockene Thema sehr schnell feucht werden, nämlich dann, wenn einem aufgrund der Bilanz oder der betriebswirtschaftlichen Auswertung die Tränen kommen.

Als mögliche Rettung vieler Unternehmer kommt zusätzlich noch „der Herr der Zahlen“ ins Spiel; der persönliche Steuerberater. Gleich „Gottvater“ und „Rächer der Enterbten“. Er soll nun die Lücke füllen um das Gleichgewicht des schlechten Gewissens mit dem Körper wieder in Einklang zu bringen. Wie die Erstklässler vor dem Meister aller Klassen sitzen wir vor ihm und lauschen gespannt und ehrfurchtsvoll seinen Erläuterungen. Zur Auflockerung des Besprechungsklimas entlocken wir uns in einem unregelmäßigem Turnus ein verständnisvolles und zustimmendes Kopfnicken, so dass er mit seinen Erläuterungen und dem Wissen „alles ist angekommen“ fortfahren kann. Seine Kommentare und Stellungnahmen erstrecken sich von „schlechter als Vormonat/Vorjahr bis „besser als Vormonat/Vorjahr“ und noch vieles andere mehr, was allerdings nicht mehr so richtig zur Kenntnis genommen wird. Highlights des Jahres sind natürlich Bilanzbesprechungen. Von Eigenkapitalquote über Gesamtkapitalrentabilität und natürlich dem Hauptthema „Höhe der Privatentnahme“, bis zu den generellen Ermahnungen hier und da aufpassen zu müssen. Überwiegt die Anzahl der „besser zu schlechter“ Kommentierungen erfüllt uns ein wohliges Gefühl der Befriedigung alles richtig gemacht zu haben, so dass die umgehende Integration in den normalen Tagesablauf seine Fortführung findet. „Same procedure as every year ......“.

Nichts gegen Steuerberater ! Im Gegenteil. Jedoch dient er für die meisten Unternehmer als Alibi. Die Grenze zwischen Genie und Prügelknabe ist auch für ihn fließend, wobei die Wahrheit immer im Auge des Betrachters liegt. Und diese Wahrheit erfolgt immer aus dem Betrachtungswinkel des Mandanten respektive Fitness- und Wellnessanlageninhabers. Ein Steuerberater kann die an ihn subjektiv gestellten Anforderungen nicht erfüllen. Sein Job ist die Steuerberatung. Seine Primäraufgabe ist es, die fiskalischen Gebühren so niedrig wie möglich ausfallen zu lassen. Dies ist in vielen Fällen entweder der verbal vorgebrachte oder der nicht direkt ausgesprochene Wunsch des Mandanten. Er verwaltet hauptsächlich die Ergebnisse der Tätigkeiten eines jeden Unternehmers.

Er kennt das operative Geschäft und dessen Prämissen und Gegebenheiten nicht. Benchmarking sprich Vergleichsanalysen bzw. Betriebsvergleiche „hinken“ in vielen Fällen, da der Steuerberater nur die Möglichkeit einer Selektion nach Branchenschlüssel hat und dieser in vielen Fällen (je nach Herkunftsort) andere Branchen mit beinhaltet, die definitiv nicht vergleichbar sind. Weiterhin ist eine Zahl nur dann kommentierbar, wenn die Hintergründe des Zustandekommens dieser Zahl bekannt sind. Kurz und gut: Das Unternehmenscontrolling müssen sie schon selbst übernehmen, auch wenn ihr persönlicher Steuerberater nur beste Absichten hat.

Sicherlich ist es vom Typus eines Menschen und dessen Interessen abhängig, ob dieser hinter den „Zahlen“ ein ganzes Universum von Möglichkeiten und Chancen sieht oder er diesen Begriff mit dem Eingang zur Hölle vergleicht. Jedoch sollte es jedem Inhaber und Betreiber von Fitness- und Wellnessanlagen klar sein: In erster Linie sind Sie Unternehmer und nochmals Unternehmer und erst im zweiten oder dritten Schritt Fitnessclubinhaber der seine Neigungen ausleben möchte. Werden Sie sich bewusst, dass es ihrem „Banker“ (prinzipiell) vollkommen egal ist, ob Sie Bisexuell, Heterosexuell oder Monogam sind, wenn die Zahlen bzw. die Ergebnisse passen. Verinnerlichen Sie sich mal den Spruch: „Jeder stirbt für sich alleine“! In der Praxis stimmt das allerdings nicht, denn das Sterben beginnt auf dem Besucherstuhl ihres Bankers vor seinem Schreibtisch.